Das gute Buch, der schlechte Film

Das Thema unserer Zusammenkunft der Lesegemeinschaft LeBuzEbjK im 4. Quartal des Jahres 2019, behandelte den Vergleich Buch/Film und erfreute sich einer regen Diskussion. Viele Meinungen und Argumente bis hin zu diametralen Ansichten. Schlussendlich jedoch ergab die Gesamtmeinung, das hier nachstehend aufgeführte Ergebnis, welches wir in einem kleinen Aufsatz festgehalten haben. Wir würden uns interessieren, wie weit unsere Interpretation zu andern Meinungen abweicht. Sende uns dazu Deine Meinung. Idealerweise ein eigener Vergleich, eines von Dir gelesenen Buches und danach gesehenen Films, oder umgekehrt. Wir posten Deinen Beitrag hier auf diesem Blog. Bitte Name und Land angeben.

      Zusammenkunft des LeBuzEbjK vom 1./2. Oktober 2019

 

In der Regel werden  Bücher als entschieden besser beurteilt, als die nachträglich gemachten Verfilmungen. Warum eigentlich? Wer maßt sich denn überhaupt so ein Urteil an? Ist es denn legitim, ein Buch mit einem Film zu vergleichen? Es sind doch zwei total verschiedene Dinge! Wir vergleichen ja auch nicht eine Opernaufführung mit einem Geschichtsbuch, voraus die Oper teilweise stammen könnte.

 

Was der Schriftsteller im Buch zu Papier bringt, insbesondere seine erschaffenen Figuren, kann er noch so detailliert darstellen und beschreiben, es sind jedoch die Leserinnen und die Leser, welche dann die Figuren wirklich zum Leben erwecken. Sie malen die Bleistiftskizzen des Autors nach ihrem Empfinden aus. Der Autor bestimmt zwar, was seine Figuren im Dialog aussagen und in ihrem Handeln tun, aber der Leser bestimmt, wie sie es sagen, wie sie auftreten, sich bewegen, sich kleiden, wie sie etwas tun. Der Autor liefert dem Leser nur die Vorstellungsbasis. Die Vorstellung selbst macht sich jedoch der Leser.

 

Und jetzt wachsen die Figuren als lebendig in die Vorstellungen der Leser. Die zwei sich Liebenden, die sich regelmäßig, verbotenerweise am reißenden Bach treffen und dauernd in Angst leben, entdeckt zu werden, erobern die Herzen der Leser. Könnte man aus dem Gedankengut eines Lesers ein Foto schießen, würde das Liebespaar um ein vielfaches wirklicher aussehen als das beste Phantombild eines Polizeizeichners. Jedoch, würde man von zehn verschiedenen Lesern, welche dieselbe Geschichte lesen, je ein Foto aus ihren Gedanken erhaschen können, lägen uns zehn verschieden aussehende Liebespaare vor.

 

Nach dem Erfolg des Buches wird die Story verfilmt. Gabi und Klaus jubeln vor Freude. Endlich werden wir »unser Liebespaar« auf der Leinwand sehen können. Sie wollen schon bei der ersten Kinovorführung dabei sein. Logenplätze. Und dann?

 

Eine Riesenenttäuschung. Das Mädchen des Liebespaares, eine einfältige Tussi mit einem langweiligen Barbie-Gesicht. Der junge Mann, welcher im Buch als sehr gut aussehend (wer bestimmt das schon?) und sehr selbstsicher beschrieben wird, benimmt sich eher wie ein unschlüssiger Bubi. Alles kaputt. Der reißende Bach wird im Film nur einige kurze Momente eingeblendet und entpuppt sich als seichtes Bächlein, in dem nicht einmal eine Fliege ertrinken kann.

 

Die ganzen »Fotos« des vormaligen Buchlesers sind kaputt gemacht, denn die zwei Liebenden im Film wurden von einem Regisseur ausgesucht, der eine total andere Vorstellung »seiner Figuren« hatte. Aber selbst wenn es andersrum wäre, nämlich das Liebespaar von zwei anatomischen Schönheiten verkörpert würde, entspräche es nicht dem Vorstellungsbild des vormaligen Buchlesers. Auch dann nicht, wenn der reißende Bach als solcher gezeigt würde, denn im Buch füllt der Bach mehrere Seiten aus, im Film nur ein paar kurze Sequenzen. Ein Buch von 500 Seiten liest ein normal begabter Mensch in acht bis zehn Stunden (ohne Pause), ein Film dauert in der Regel um die zwei Stunden.

 

Es ist schlussendlich nicht der Vergleich, der angestellt wird zwischen Buch und Film, sondern eine Frust-Kundgebung des Betrachters. Des Buchlesers, der im Film nicht mehr das nachempfinden kann, was seine eigene Vorstellungskraft im Buch ausleben konnte. Bei Lichte betrachtet, ist der Vergleich Buch/Film, nichts anderes als die Bescheinigung einer persönlichen Unzufriedenheit.

 

Das Wichtigste, was bei dieser Betrachtung kaum jemandem auffällt, oder kaum erwähnt wird, sind die kommerziellen Hintergründe. Die Filmemacher haben kein Interesse, irgendeine harmlose Buchstory, von der gerade mal 250 Exemplare im Bekanntenkreis verkauft wurden, zu verfilmen. Sie wollen einen Bestseller. Und der Bestseller ist der Titel, nicht die Story, die schustern die Regisseure dann nach ihren eigenen Vorstellungen zusammen.

 

Stellen wir uns einmal vor, Victor Fleming hätte dem Film »vom Winde verweht« aus purer Eigenwilligkeit den Titel »Die Zicken der Scarlett O`Hara« gegeben, dann wären die Kinos wohl leer geblieben.

 

Der Kommerz bestimmt die Dinge, nichts sonst. Wir sind täglich von  ihm umzingelt und lassen uns beeinflussen, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, denn das Unterbewusstsein ist ein waches Sinnes-Organ, das uns des Öfteren einen Streich spielt, ohne dass es uns jemals bewusst wird.

 

Unsere Schlussfolgerung: Bücher und Filme sind getrennt zu beurteilen. Gute und schlechte Bücher, gute und schlechte Filme.

 

Viel Glück beim Herumstöbern nach einem guten Buch und oder einem guten Film, was bei der unendlichen Vielzahl an Leguminose- und Lichtbildstreifen Müll in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, denn der Kommerz beherrscht es, Müll so zu verpacken und anzubieten, dass wir immer wieder darauf hereinfallen.

 

Unsere Geschenk-Idee: Ein gutes Buch!

Z. B. »Eine kurze Geschichte der Menschheit« (von Yuval Noah Harari)

 

 

 

 

Buch und Film

30. Dez. 2019)

Von Brigitte und Manuel Walser aus Kalifornien.

Wir stimmen Ihren Vergleichen und Argumenten teilweise zu, sind jedoch der Auffassung, dass ein Filmemacher, der den Titel eines Buch-Bestsellers verfilmt, auch eine Berufsethik zu erfüllen hat und der Handlung im Buch so getreu wie möglich folgen sollte, ansonsten er den Titel des Buches nur missbraucht, um wirtschaftliche Vorteile zu erzielen, was im Gewerbebereich eigentlich einem Betrug am Konsumenten gleichkommt. So gesehen, gibt es den Unterschied, gutes Buch, schlechter Film, eben doch, auch wenn wir berücksichtigen, dass z. B. 500 Buchseiten nicht in einen zwei Stunden dauernden Film übertragen werden können und die ganzen Gedankengänge der Buch-Protagonisten im Film wegfallen.

 

Vielleicht liegt die Schwierigkeit einer Beurteilung wirklich darin, dass man gar keine machen sollte und konsequenterweise Buch und Film getrennt beurteilt, denn wer einen Film anschaut, ohne das vormalige Buch gelesen zu haben, kann den Film doch sehr gut finden, weil er dem Vergleichsteufelchen gar nicht ausgeliefert ist. Schlussendlich lachten wir, über all unsere Für und Wider und kamen zum Schluss, dass Eure Diskussion darüber wahrscheinlich ähnlich verlaufen ist, was zu Eurer, eher weisen, als fachlichen Schlussfolgerung führte! Schmunzelnde Grüße nach Europa. B. & M.