Bei einem Thema, das offensichtlich noch nicht tot gelabert wurde, lohnt es, dranzu- bleiben, um dann und wann doch wieder etwas Positives und Lesenswertes zu erhaschen. Wie wärs denn damit ....?

                                                 

 

Streifschuss vom 18. Juni 21

(von Bernhard Horwatitsch)

 

Anlass: ein altkluges Resümee

 

Von der Herde

 

Vierhundertfünfundachtzig Tage nach dem Lockdown vom 17. März 2020 und hundertzweiundneunzig Tage nach der ersten Impfung durchgeführt an der 90-jährigen Britin Margarete Keenan, über drei Millionen Tote später und fast zwei Milliarden Impfungen später, scheint es einen Sommer zu geben, der nicht nur heiß ist, sondern sogar virustatisch. Weniger Aerosole in der heißen Luft und mehr UV-Strahlung – was ein Strahlenvirus (Corona) scheinbar als Konkurrenz empfindet – lassen die Inzidenz-Zahlen schön sinken. Auch ich wurde nun geimpft (50 Prozent aller Deutschen inzwischen), ein halbes Jahr nach Margarete Keenan.

 

Es ist eine wahnsinnige Leistung, die manche Wissenschaftler schon mit dem bemannten Flug auf den Mond verglichen haben. Und wenn man das ohne Ressentiment und ganz entspannt betrachtet, dann ist die Impfaktion die größte globale Friedensaktion aller Zeiten. Das Virus hat nicht nur die ganze Welt erfasst, machte keinen Unterschied in den Nationen, es war nun die letzten 15 Monate dauerpräsent. Wann hat zuletzt ein Thema 15 Monate die internationale Presse täglich beschäftigt? Wann überhaupt einmal? Die meisten Nachrichten werden schon nach wenigen Stunden durch neue Nachrichten ersetzt. Das Virus hielt sich und mobilisierte nicht nur die Wissenschaft. Trotz mancher Unvernunft war die letzte Zeit doch gekennzeichnet von einer herausragenden Disziplin der Menschen. Sie hielten Abstand, verringerten ihren Mobilitätsdrang erheblich und trugen klaglos ihre Masken. Daher ist es einmal an der Zeit, diese Fakten herauszustellen.

 

Eine nie dagewesene globale Impfaktion die von der Entwicklung verschiedener hoch wirksamer Impfstoffe durch die Pharmakonzerne bis zum normalen Hausarzt den Lebenswillen der Menschheit beispielhaft demonstrierte und weiter demonstriert. Die Opfer waren groß und so mancher kämpft sich immer noch ins Leben zurück. Natürlich müssen wir weiter alle über diesen Schock hinaus nachdenken. War dies nur ein einmaliges Ereignis? Oder war es der Startschuss für weitere Katastrophen, die der Mensch auch selbst hervor ruft? In der Gain-of-function-Forchung wird mit Absicht die Mutagenität und Virulenz von Viren erhöht. Und ein Schelm, der Böses dabei denkt. Es ist immer noch nicht abschließend erwiesen, ob Covid-19 nicht doch ein Labormonster war. War die Pandemie ein klimatisches Ereignis (Mensch und Tier rücken näher zusammen und erhöhen die Gefahr von Zoonosen), war es wissenschaftliche Hybris, war es einfach nur Gottes Wille, eine Art mikroorganismische Sintflut?

 

Was auch immer es war bzw. ist, es hat viel verändert und manches auf den Punkt gebracht. Ein weiteres Mal in der Menschheitsgeschichte wurde uns mehr als deutlich vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind und ein weiteres Mal hat der Mensch als Menschheit reagiert. Diese kollektive Reaktion überschattet aber auch die individuellen Schicksale und begrenzt die individuellen Freiheiten. Es wird daher eine Zeit brauchen, um wieder ein neues Maß zwischen kollektivem Überlebensdrang und individueller Freiheit zu gewinnen. Mit den Spuren der Verwüstung und den Errungenschaften und neuen Hoffnungen gleichzeitig umzugehen, das sind die nächsten Herausforderungen.

 

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist gestiegen und wird weiter steigen. Wenn wir als Kollektiv, als Menschheit nicht nur überleben wollen, sondern auch leben, dann muss unsere nächste große Friedensaktion darin bestehen Hunger, Not und Elend im großen Stil zu bekämpfen. Die Hälfte aller Menschen die mit oder an Covid-19 verstarben, lebte in den USA, Brasilien, Mexico und Indien. Es ist auch deutlich zu sehen, dass die arme Bevölkerung einen geringeren Schutz genießt, höhere Hürden zur Gesundheitsvorsorge zu bewältigen hat und das liegt nicht nur an dem klassischen Bildungsrückstand, sondern an Armut. Auch kluge Menschen können arm sein. Die Herde sollte sich nicht abwenden von denen, die bedürftiger sind. Doch hier ist das Kollektiv meist korrumpiert, denn es stellt Bedingungen und opfert das Individuum immer zugunsten des Kollektivs. Diesen dialektischen Widerspruch gilt es anzugehen.