SELINA  KISSMANN

Selina ist 20 Jahre jung und hat mit 14 angefangen zu schreiben. Viele Ideen kreis-ten in ihrem Kopf umher, doch bei dem Versuch, diese niederzuschreiben, merkte sie schnell, dass sie etwas Schwierigkeiten mit den For-mulierungen hatte. Eine Freundin sprang ein, die ihr einige gute Tipps liefern wollte. Doch aus der sporadi-schen Unterstützung wurde mehr. Bald entwickelten sie sich zu einem guten Team, was schließlich in einer neuen Buch-Idee gipfelte.

 

Nach dem 13. Kapitel verlief das Projekt im Sande und Selina schrieb wieder alleine. Mittlerweile beendet sie ihr 2. Buch.

 

Schreiben ist jedoch nicht alles in ihrem Leben. Ihr Zukunftstraum besteht da-rin, eines schönen Tages Psychologin genannt zu werden. Dazu steckt sie mitten in einem freiwilligen Sozialen Jahr an einer Schule für psychisch kranke Kinder und hofft, dass sie danach das Studium antreten kann.

 

Der freizeitliche Bereich widmet sich ihrem Hündchen, Percy, den sie sehr liebt. Um das Geistige zu pflegen, erzählt sie stolz:     „ich besuche die Volkshochschule, einfach, weil ich Lust hatte, Niederländisch zu lernen! Das Land hat mir schon als Kind immer gefallen.“ Natürlich ist Hund Percy stets dabei. „Sport hingegen“ – gesteht sie – „findet in meinem Leben kaum Platz. Ich zähle mich eher zu den »Couch-Potatoes«.“

 

Was in ihrem Fall nicht heißt, dass sie ausschließlich vor dem Fernseher sitzt.

    „Ich bin eher kreativ unterwegs.“ – erklärt sie –

„Nebst basteln, lesen, malen und nähen, schreibe ich natürlich. Meistens nachts, wenn die Familie zu Bett gegangen ist. Dann kann ich ordentlich in die Tasten hauen, denn nachts schreibt es sich am besten!“

   „Was war die Inspiration für Ihre Geschichte Oltaime i`Strato, die wir nun anschließend lesen dürfen?“

   „Die Geschichte kam durch meine Vorliebe für Krimidinners. Gemeinsam überlegen, wer der Übeltäter sein könnte, verschiedene Hintergründe aufdecken, jeder hat ein Motiv, doch gibt vor, ein Alibi zu haben – diese Art von Geschichten gefällt mir einfach, daher habe ich Oltaime i`Strato ähnlich aufgebaut.“

 

 

„Danke Selina, wir freuen uns auf weitere Texte von Ihnen.“

 

 

Oltaime i’Strato 

(Urheberrechte & Copyrights © by Selina Kissmann)

 

»Wir sind uns also alle einig?« Einstimmiges, wenn auch schlaffes Nicken aller Beteiligten.

   »In diesem Fall schlage ich vor, dass wir uns nun alle etwas entspannen und morgen reden wir darüber, wie wir die Elixiere vernichten werden. Ich wiederhole, dass die Öffentlichkeit keinerlei Informationen erhalten darf. Ich kümmere mich um die Reporter, während ihr unser Lager aufräumt. Soweit klar?« Erneutes, geknicktes Nicken ging durch den großen Konferenzraum. Niemand schien wirklich glücklich mit den Entscheidungen zu sein. Alexej schnippte bereits seit einer halben Stunde unbeteiligt zusammengeknüllte Papierfetzen durch die Gegend. Amanda hatte am längsten nach Alternativen gesucht, doch auch sie musste einsehen, dass es keine gab und sah seitdem aus, wie ein geschlagener Hund. Selbst Linn, die fest davon überzeugt war, dass ihre Entscheidung, die Überreste von Oltaime i’Strato, der wohl bemerkenswertesten Pflanze, die jemals gefunden wurde, zu vernichten, die richtige Entscheidung war, hatte ein mulmiges Gefühl im Magen. Das war schließlich ihr Lebenswerk. Das hatte sie zu einer Gruppe gemacht. Mehr noch: Das hatte sie zu Freunden gemacht. Es war nicht leicht, sich davon zu trennen.

 

Sie dachte daran zurück, wie begeistert sie waren, als Amanda mit einigen Proben ihres Fundes in den Taschen zurückkehrte und sie die ersten Untersuchungen durchführten. Als Alexej und Amanda das Elixier extrahierten und Linn es dem ersten Tier verabreichte, blieben sie alle die ganze Nacht lang wach, selbst Alvar, der schon viereckige Augen von all der Computerarbeit hatte. Sie blieben alle wach und warteten ab.

 

Es war ein langer Weg, doch er funktionierte. Ihre Erfolgsgeschichte schrieb sich quasi von selbst, doch sie waren schlau genug, um die Konsequenzen im Blick zu behalten. 100.000 Menschen hätten ein Privileg wie keiner sonst erhalten können, doch wer sollten diese Menschen sein? Ihre Familien und Freunde? Die klügsten Köpfe und die stärksten Muskeln? Diejenigen mit dem meisten Geld? Die Alten oder die Jungen? Hätte ein Los diese wichtige Entscheidung fällen sollen? Es gab zu viele unberechenbare Variablen. Jeder wollte es, doch nicht jeder konnte es erhalten. Es war nur vernünftig, auch aufgrund von nach wie vor fehlender Forschung, das Projekt einzustellen. Alle oder keiner – in diesem Fall also keiner.

 

Nach Alvars Ansprache verließen alle Mitglieder der World-Bio-Tech-Incorporated Ltd. das Konferenzzimmer und gingen ihre eigenen Wege. Linn konnte nur vermuten, was die anderen nun taten. Alvar schrieb vermutlich eine kurze, verschleierte Presserede, Amanda war zumeist im Gewächshaus zu finden und Alexej im Fitnessraum, um den Frust herauszulassen. Linn hingegen begab sich auf ihr Zimmer und schrieb in ihr Tagebuch, um die Ereignisse der letzten Stunden festzuhalten.

 

Stundenlang debattierten wir über die verschiedenen Möglichkeiten, die wir hatten und die damit verbundenen Konsequenzen. Wir sind als Gruppe über die letzten Jahre wirklich zu einem Team avanciert, wodurch die Diskussionen angenehm und sachlich blieben. Trotzdem bin ich erstaunt, wie wir uns in nur einer Sitzung einig werden konnten. Ja, sie beanspruchte mehrere Stunden, doch ich hätte mit Tagen gerechnet, in denen wir abwägen, was das Beste für uns, das Unternehmen und die gesamte Menschheit bedeutet. Ich bin froh, dass wir zu diesem Entschluss kamen. Die Öffentlichkeit wird niemals erfahren, dass wir noch Elixiere – und davon auch noch eine beachtliche Menge – aufbewahrt hatten. So kann es zu keinen Auseinandersetzungen oder außenstehenden Aufständen kommen. Es war die fairste und sicherste aller Lösungen, auch wenn unsere Herzen darunter leiden. Wir tun das Richtige.

 

Am nächsten Morgen wachte Linn unter tobenden Umständen auf. Schnelle Schritte liefen den Flur vor ihrem Zimmer entlang. Unverständliche Sätze wurden durch das ganze Gebäude geschrien. Es schien sogar etwas kaputtgegangen zu sein.

 

Müde, aber neugierig zog sich Linn einen Morgenmantel über, versteckte ihre nackten Füße in den kuschlig weichen Pantoffeln und bewegte sich, die Augen reibend, auf den Lärm zu, welcher dem Anschein nach aus dem Konferenzraum kam.

 

Als sie besagten Raum betrat, fiel ihr sofort die am Boden liegende Tasse, welche in ihre Einzelteile zerlegt wurde, sowie die angespannte Stimmung auf, die allerdings weder zu übersehen, noch zu überhören war. Bereits auf dem Flur war ein Streit zwischen Amanda und Alvar zu vernehmen. Laute Anschuldigungen fielen, die Linn allerdings, unklar, was überhaupt passierte, nicht nachvollziehen konnte. Als sie die Türschwelle überschritt, war Alexej der Einzige, der sie wahrzunehmen schien. Für seine sonst so gelassene Art schien auch der Chemie-Experte recht unruhig. Er konnte Linn nicht einmal in die Augen blicken, als sie ihn besorgt fragte, was los sei.

  »Die Elixiere, alle 100.000 Einheiten, wurden gestohlen.« Gestohlen?! Das war völlig ausgeschlossen. Die einzigen Menschen, welche Zugang zu dem Lagerraum hatten, waren die drei Doktoren um Linn herum und sie selbst. Hieß das, einer von ihnen hatte die Einheiten gestohlen? Das konnte nicht sein. Es gab doch keinen Grund für solch ein Handeln. Sie hatten sich doch geeinigt.

    »Auf keinen Fall. Das kann nicht sein.«

»Tja, so ist es aber. Geh doch ins Lager und überzeuge dich selbst. Alles ist weg.« Nun drehten sich auch Amanda und Alvar zu uns um. Ihre Augen waren rot unterlaufen, als hätte keiner von ihnen ein Auge in der Nacht zugemacht. War Linn die Einzige, die tief und fest geschlafen hatte?

    »Wann soll das passiert sein?«, fragte sie in der Annahme, dass sie die Antwort bereits wusste. Wie zu erwarten war, meldete sich der Faktenmeister Alvar zu Wort. Ebenfalls erwartet kam die Antwort, dass es irgendwann in der Nacht gewesen sein musste. Darauf war Linn auch gekommen, sie hatte lediglich auf mehr Informationen gehofft. War in der Nacht jemand im Lagerraum gewesen, bevor die Proben gestohlen wurden? Hatte jemand anderes einen von uns in der Nacht in den Lagerraum gehen sehen? Irgendetwas mussten sie doch wissen.

    »Habt ihr alle die Nacht durchgeschlafen?«

»Alvar jedenfalls nicht«, kam prompt von Amanda. Was hatten die beiden nur miteinander? Vielleicht fehlte Linn bisher auch einfach der Kaffee und damit die Auffassungsgabe, um wirklich zu realisieren, dass einer von ihnen sie verraten hatte und nun im vollen Besitz der 100.000 letzten Proben war. Mit diesen konnte jeder sein eigenes Ziel auf eigene Faust erreichen, ohne durch die Meinungen und Ideen der anderen behindert zu werden. Linn konnte sich allerdings nicht vorstellen, dass einer von ihnen tatsächlich zu so etwas imstande war.

 

    »Und das weißt du woher, Amanda? Ach, hast du etwa auch nicht gut geschlafen? Sag mir doch nochmal, wo du hin bist, nachdem wir uns im Flur begegnet sind!«

 

»Wie oft denn noch? Ich war auf der verdammten Toilette, das ist kein Verbrechen!« Das durfte alles einfach nicht wahr sein. Erst das plötzliche Aussterben der Pflanze und dann das hier. Innerhalb von gerade mal 46 Stunden hatte sich ihr Traum in einen regelrechten Albtraum verwandelt, der einfach kein Ende nehmen wollte. In der leisen Hoffnung, aufzuwachen, oder zumindest etwas besser mitdenken zu können, entfernte sich Linn von den Streithähnen und besorgte sich erst einmal einen schwarzen Kaffee. Normalerweise war sie eher der „Mit-Milch-und-Zucker-Typ“, doch an diesem Morgen – es war gerade mal ein Viertel vor sieben, brauchte sie eindeutig etwas Stärkeres.

   »Machst du mir auch einen?« Alvar muss ihr gefolgt sein, ohne, dass sie es mitbekommen hatte.

    »Warst du es etwa, der seinen ersten auf den Boden geschmissen hatte?«

    »Nein, das war Alexej, als wir ihm die Nachricht mitgeteilt hatten.« Komisch. Das war überhaupt nicht typisch für Alexej. Auch im Fitnessraum entschied er sich immer für das Laufband, nie für den Boxsack oder anderweitige Mittel, um versteckte Aggressionen herauszulassen. Doch die Nachricht war natürlich für ihn, wie für uns alle ein Schock. Linn war sogar der Meinung, dass er am meisten auf persönlicher Hinsicht von dieser Gruppe profitiert hatte. Vorher war er ein ziemlicher Einzelgänger, ohne Freunde oder familiäre Unterstützung. Er war nach all den Jahren immer noch etwas verschlossen, doch er hat hier etwas gefunden, was er lange gesucht hatte. Und nun? Was passierte nun mit der World-Bio-Tech-Incorporated Ltd.?

    »Wer hat denn herausgefunden, dass die Proben weg sind?« Linn übergab den ersten Kaffee, der für sie gedacht war, an Alvar weiter und startete die Maschine erneut, für ihren eigenen. Dabei versuchte sie unauffällig die Gesichtszüge ihres Gegenübers zu begutachten, um herauszufinden, ob er die Wahrheit sagte und falls ja, ob es auch die ganze Wahrheit war.

    »Das war ich.« Kein Anzeichen einer Lüge. »Ich bin um kurz nach fünf aufgestanden, bin runter in den Konferenzraum und habe den Hauptrechner eingeschaltet.« Eine normale Routine in seinem Morgen. Nichts Ungewöhnliches bisher.

 

  »Sofort wurde mir ein Alarm angezeigt, dass in der Nacht für mehrere Stunden die Überwachungssysteme ausgefallen sind.« Alle fanden es unnötig, Überwachungssysteme anzubringen, wenn ohnehin nur sie selbst Zutritt zu allen wichtigen Räumlichkeiten hatten, doch ihre Investoren bestanden darauf. Sie mochten richtig gelegen haben, dass Überwachung vonnöten war, doch da jeder von ihnen schlau genug war, um die Kameras lahmzulegen, hatte es absolut nichts gebracht.

 

»In der Nacht bin ich Amanda begegnet. Ich hatte Einschlafprobleme und wollte daher lediglich eine Tablette und ein wenig Wasser besorgen.« Hier war etwas Ungewöhnliches. Alvar hatte noch nie Schlafprobleme, seit sie sich kannten. Er schlief für gewöhnlich wie ein Stein.

   »Amanda sagte, sie müsse auf die Toilette, doch sie lief in Richtung Konferenzraum. Warum sollte sie extra hinuntergehen, wenn doch zwei Räume neben ihrem Zimmer ebenfalls eine Toilette war? In der Nacht war ich zu müde, um diese Logik infrage zu stellen, doch als ich zur Kontrolle heute Morgen in den Lagerraum ging, wurde es mir klar. Und wer sonst, hat so ein gutes Motiv, wie sie?« Es stimmte schon, dass Amanda auf den ersten Blick das beste Motiv hatte. Sie setzte sich am meisten für Alternativen ein, die nicht bedeuteten, dass ihr Lebenswerk, die Entdeckung des Jahrhunderts, die sie selbst gemacht hatte, einfach vernichtet würde. Von allen Anwesenden, denen dieses Projekt am Herzen lag, schien es ihr doch am wichtigsten zu sein. Doch sie war nicht die Einzige.

 

Alvar, ein durchaus freundlicher, höflicher Mann, hatte ebenso für einen Erhalt und Verkauf der Proben argumentiert. Er hatte einen eben würdigen Rang in den Gebieten der Naturwissenschaften und der Medizin wie die anderen, doch hatten sie bessere Qualifikationen in den einzelnen Teilgebieten, während Alvar die Zuständigkeit für die Finanzen übernahm. Er etablierte sich als hervorragender Unternehmer, welcher, wie die meisten Unternehmer, auf den größtmöglichen Profit und die bestmögliche Anerkennung aus war.

 

Und Alexej hatte einen kranken, alten Vater. Oltaime i’Strato konnte den Alterungsprozess zwar anhalten, doch es konnte keine Krankheiten heilen. Alexej sollte sich dessen bewusst sein, doch ein liebender Sohn klammerte sich an jeden Grashalm, um eine Lösung zu finden.

 

In ihrem Kopf durchforstete Linn weiterhin die Motive der Ver-dächtigen, die sie noch vor einigen Stunden ihre Freunde nannte, während sie, gemeinsam mit Alvar zu den anderen zurückkehrte. Erwartet hätte sie eigentlich, dass die beiden genauso wild diskutierten, wie Amanda und Alvar vorhin, doch es schien eher, als redeten sie absichtlich leiser als sonst, um nicht gehört zu werden.

   »Was machen wir jetzt? Ignorieren wir es?«, flüsterte Amanda. Linn und Alvar blieben hinter der Tür versteckt, um lauschen zu können.

 

      »Nein«, kam als Antwort zurück.

»Was dann? Soll das alles umsonst gewesen sein?«

  »Lass mich doch mal nachdenken.« Ein lauter Klingelton unterbrach die beiden in ihrem Getuschel. Es war Alvars. Auf seinem Display konnte Linn erkennen, dass es sich um ihren wichtigsten Sponsor handelte. Wieso rief er so früh morgens an? Während Alvar den Anruf annahm und sich entfernte, trat Linn wieder ein, in die Folterkammer, wo sie direkt beschuldigt wurde, sich angeschlichen zu haben – was ja auch stimmte – und zusätzlich wurden ihre Absichten infrage gestellt. Sie hatten wohl herausgefunden, dass sie bereits vor Wochen geplant hatte, das Unternehmen zu verlassen und ein eigenes zu gründen. Sie hatte allerdings nicht vor, weiter an dem Elixier zu forschen. So interessant es auch war, sie hielt es für gefährlich und unnatürlich. Ihre Zweifel wurden zunehmend größer, doch genauso auch die Verbundenheit ihrer Gruppe, weshalb sie ihren Austritt ständig vor sich hinschob. Doch darum ging es überhaupt nicht!

    »Hört auf abzulenken und sagt mir, worüber ihr euch gerade im Geheimen unterhalten habt!« Amanda setzte merklich zum Gegenschlag an, doch Alvar, der gerade wieder zu ihnen trat, kam ihr zuvor.

    »Es ging um die neusten Umstände, nicht wahr? Das gerade war Jefferson. Er erklärte mir, dass es zu Todesfällen ihrer Vorführtiere kam. Und nicht nur das. Unsere ersten Probanden hat es ebenso getroffen. Zunächst sah es aufgrund ihrer Krankheitsgeschichte nach einem Zufall aus, doch nun werden auch die anderen 40 nach und nach krank, keiner kann erklären, was sie haben. Sie sind alle betroffen. Und wir vermutlich auch.« Nicht das auch noch. Linn hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie viel zu schnell in die Testphase übergegangen sind, doch nach den ersten positiven Rückmeldungen vergaß man solche Gefühle und dass tatsächlich jederzeit Rückschläge folgen konnten. »Wir sind offiziell und ab sofort in Quarantäne.« Und damit eingesperrt mit dem Verräter. Oder besser gesagt, den Verrätern.« »Die Krankheit fängt harmlos an, sagte Jefferson, und hört mit dem Tod auf. Das steht uns allen bevor, wenn wir kein Heilmittel finden.« Alvar pausierte kurz, als fiele es ihm schwer, fortzufahren.

  »Und Alexej wusste es. Jefferson hatte ihn schon vor einer Dreiviertelstunde benachrichtigt« Alexej und Amanda tauschten einen unsicheren Blick aus.

    »Wieso habt ihr es getan?«, fragte Linn mit glasigen Augen. Es war offensichtlich und doch schwer auszusprechen. Amanda und Alexej hatten sie verraten. Amanda hat das Überwachungssystem ausgeschaltet, während Alexej die Proben gestohlen hat. Immerhin mussten sich diese noch in diesem Gebäude befinden. Das einzig minimal Gute an der ganzen Geschichte. Die einzige Frage die blieb war, Weshalb?

     »Wir glaubten –«

»Alexej, nicht!«

  »Es ist vorbei, Amanda. Das war’s. Wir wollten ein neues Unternehmen gründen und die Pflanze nutzen, um tödliche Krankheiten zu heilen, wie die von meinem Vater. Dabei konnten wir allerdings keinen Besserwisser gebrauchen, der alles verkaufen möchte, bevor es so weit ist, noch eine Moralpredigerin, die uns bei den Versuchen hindern würde. Ja, es wäre wohl zu Todesfällen gekommen, doch das wäre nichts im Vergleich zu den Menschenmengen gewesen, die wir glaubten heilen zu können, solange das Projekt unter Verschluss blieb.«

 

Es war unfassbar. Sie hätten ihre Ideen einfach preisgeben sollen. Sie alle hätten gemeinsam weiterarbeiten können, aber nein, sie wollten das Projekt für sich haben. Sie hatten Linn und Alvar eiskalt hintergangen, doch ihr Verrat spielte keine Rolle mehr. Nichts spielte mehr eine Rolle, wenn sie nicht ihren Groll ablegen und zusammenarbeiten konnten.

 

»Dann fangt mal an, zu forschen. Das erste Heilmittel auf der Liste ist eines gegen die Krankheit, die wir erschaffen haben.« Linn musste für die nächsten Sätze einen tiefen Atemzug nehmen.

   »Ich kann nicht in Worte fassen, wie wütend ich bin, doch wir sitzen hier fest, alle zusammen und uns läuft die Zeit davon. Entweder wir alle schaffen es oder keiner. Also bringen wir es hinter uns. Danach trennen sich unsere Wege.«

 

Einstimmiges, wenn auch schlaffes Nicken aller Beteiligten.

Das Rennen um die Zeit hatte begonnen!

 

 

 

 

ENDE