aufsatz fortsetzungen

VON

 

VALERIE KYBURZ

 

Wenn Erwachsene gescheit daherreden

(Urheberrechte & Copyrights © by Valerie Kyburz)

 

 

 

 

 

Valerie Kyburz (ihr Pseudonym), hat uns freundlicherweise einige ihrer besten Aufsätze aus ihrer Schulzeit zur Veröffentlichung zugestellt. Sie ist heute 27 Jahre jung, war das enfant terrible ihrer Schulzeit, setzte  entgegen ihrer Eltern ihren Willen durch und besuchte das Kindertheater von Basel. Heute ist sie ausgebildete Theater- und Filmschauspielerin, inszeniert eigene Theater-Stücke und produziert eigene Video-Kurz-Krimis. Ihre sehr originellen Aufsätze werden die nächsten fünf Monate auch unseren Newsletter bereichern.

Aufsatz-Titel:  Wenn ich das Sagen hättte

 

Vorwort:

 

Ich weiß nicht mehr, wie lange das Blatt Papier vor mir leer blieb und mir das Herumspazieren der Lehrerin im Klassenzimmer auf die Nerven ging. Jedes Mal, wenn sie bei mir vorbeikam, kurz verharrte, sich bestimmt wunderte, warum ich noch nichts geschrieben hatte, jedoch nie etwas sagte und weiter spazierte, verspürte ich Lust, sie anzubrüllen und sie aufzufordern, sich auf ihren Allerwertesten zu setzen und aufzuhören mit ihren spitzen Stöckelschuhen den Holzboden zu malträtieren und unnötigen Lärm zu produzieren. Es fiel mir nichts ein. Beim besten Willen nicht. So ein saublödes Thema! Dabei hatte ich doch immer etwas zu sagen, auch wenn allen andern die Puste, das Wissen oder die Argumente ausgegangen waren, da lief ich mich normalerweise gerade erst warm.

 

Es waren schlussendlich bestimmt etwa 15 Minuten verstrichen, mein Griffel noch kalt, das Blatt noch immer leer, doch dann, endlich, die Lehrerin kurvte nach der zigsten Runde gegen ihr Pult, setzte sich hin, bemächtigte sich eines Buches. Die Erlösung!

 

Ich vergaß für einen Moment den blöden Aufsatztitel und meine Gedanken kreisten drei Wochen zurück. Es war Sonntag. Tante Frieda hatte zur Geburtstagsfeier ihrer Enkelin geladen. Garten-Party. Grillen im Freien, Champagner, Snobs, furchtbar! Die Enkelin, Hildegard, bereits 32 Jahre auf dem Buckel, Barbie Gesicht, Weizen blond, ganz kleine Tittchen – meine waren mit damals vierzehn doppelt so groß, mit der „aller Welt Erziehung“ immer milde zu lächeln, immer danke und bitte zu sagen und sich ja nie in ein Erwachsenengespräch einzumischen. Mein Pech, niemand da in meinem Alter, weder ein Prinz noch eine mögliche „Pferde stehlen Freundin“, nur die grenzenlos angepasste Enkelin, ein paar kleinere Kinder, ihre Eltern, zwei blöde Kläffer und die meist schon zwischen Scheintod und Verwesung vegetierenden Saurier und Saurierinnen. Tante Frieda, die absolut perfekte Snob-Lady.

 

Mann, wenn es doch schon zu Ende wäre. Da bat einer der Bediensteten die Gäste, an den mit Blumen geschmückten, ovalen Gartentisch, wo der Nachtisch serviert wurde.

 

Beim Nachtisch ist es meist noch schlimmer, da wird nicht mehr richtig gegessen, nur noch so rum geschlürft und genippt, was mehr Zeit bedeutet, unsinnige Snob Gespräche anzuzetteln und zu führen.

 

„Valerie!“, erschreckt mich Tante Erika, etwa fünf Stühle weiter rechts am Tisch, und sorgt dafür, dass die Klunkern ihrer Halskette aneinander schlagen, „du kommst doch dieses Jahr aus der Schule, nicht wahr? Wirst du dann auch diese komische Schauspielerei aufgeben?“

 

Ein kurzer, schneller Blick zu meinen Eltern, die leicht schräg von mir gegenüber sitzen und nun bestimmt den Atem anhalten, besonders meine Mutter – wahrscheinlich ist ihr schon der Angst-Schweiß ausgebrochen – während mein Vater so tut, als hätte er Erikas Frage gar nicht gehört und sich mit Marcel Sommerhalder zu seiner Rechten, naheliegenderweise über die Aktienbörse unterhält.

 

„Welche komische Schauspielerei meinst du denn, Tante Erika?“ Höre ich mich sagen, während ich plötzlich feststelle, kurz aus meinen Gedankengängen gerissen, dass ich meinen Griffel über das Blatt führe und bereits eine halbe Seite geschrieben habe …!

 

Der Aufsatz:

 

… Es schreibt jetzt von alleine, die Eingebung ist quasi von alleine gekommen. Sonntags, bei den Snobs, wäre der richtige Titel gewesen, aber so geht’s ja auch, natürlich hatte ich da etwas zu sagen, vor allem eine passende Antwort auf dumme Fragen.

 

André Gut, einer meiner Favoriten aus der Theaterwelt, bei dem ich lernte, wie man, statt sich zu ärgern und sich dann mit einer emotional noch dümmeren Antwort selber lächerlich macht, eine geeignete Gegenfrage zu stellen, mit dem Ziel, die fragende Person damit aufs Glatteis zu führen. Er beherrschte das so gut, dass ich immer wieder fasziniert war und dafür Sorge trug, dass ich seine beste Schülerin wurde.

 

Natürlich war ich nun mit fast fünfzehn auch etwas respektvoller geworden, insbesondere wollte ich meine Eltern nicht in die Pfanne hauen, die sich immerhin, nach einer schier kriegsähnlichen und sehr in die Länge ziehenden Auseinandersetzung schließlich dazu erweichen ließen, dass ich doch noch den Weg einer Theater-Karriere begehen konnte. Aber die Spitzzüngigkeit, die mir eigen war, verlor sich nicht einfach so.

 

„Ach Valerie, stell dich nicht so an, du weißt schon, was ich meine, dieser Kinderverein, diese Träumer, die anstelle von einer fundierten Ausbildung es vorziehen, sich zu verkleiden und irgendjemand zu spielen, statt etwas Nützliches zu lernen!“

 

Ich hatte nicht gedacht, dass mich diese dumme Kuh mit diesem einfältigen Argument innerhalb von wenigen Sekunden auf die Palme bringen würde. Ich glaubte auch kurz gesehen zu haben, wie meine Mutter die Augen schloss und sich auf das allerschlimmste gefasst machte. – Lieber André, steh mir bei, schloss ich mich telepathisch mit ihm kurz. Und dann … ,

 

„du sprichst in Rätseln, Tante Erika, ich weiß nicht, in welchen Geistessumpf du da geraten bist, ich bin beim Kindertheater in Basel,  das Älteste in der Schweiz. Es wurde 1970 gegründet und wird gerade für seinen pädagogischen Dienst an Kindern ungemein geschätzt, ich wundere mich, dass du das in deinem Alter nicht kennst, es ist sogar im hohen Norden Deutschlands nicht nur bekannt, sondern auch sehr beliebt, und um deine Frage zu beantworten, nein, ich werde diese interessante Arbeit nicht aufgeben, denn sie bedeutet mir viel und macht große Freude.“

 

Damit hoffte ich, dass ich einen Volltreffer lancierte, zumal es mir auch gelang, meine Stimme zu kontrollieren. Die Blicke der Anwesenden schweiften nun gespannt zu Erika, die mit Sicherheit etwas ganz anderes von mir erwartet hatte, um mir danach den „Todesstoß“ zu verpassen. Und es kam noch besser. Der neben mir sitzende Walter Giezedanner, ein pensionierter Buchhalter, schaltete sich überraschend ein.

 

Unauffällig, meist ruhig, spricht eigentlich nur, wenn er mit Teufels Gewalt dazu aufgefordert oder genötigt wird, runder Kopf, Glatze, runder Bauch, beugte sich zur Überraschung aller nach vorne und suchte das Gesicht von Tante Erika; „ich kann Valerie nur beipflichten, liebe Erika, ich bin Stammgast im Kindertheater von Basel und außer dem Mitglied. Die Reputation dieser Institution ist sehr nobel und verdient hohe gesellschaftliche Anerkennung.“

 

Damit lehnte er sich wieder sittlich in seinen Stuhl zurück, schenkte mir noch ein vielsagendes Lächeln und damit war Tante Erikas eventuell geplante, neue Offensive im Keime erstickt. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich ausgerechnet hier, bei diesen Snobs, ein solches Hochgefühl einfahren könnte. Der Blick, den ich von meiner Mutter zugeworfen erhielt, war eine Mischung aus Dankbarkeit, Bewunderung und auch Erlösung. Sie wusste an diesem Tag, dass sie nie mehr eine spitzzüngige Basler Schnoore von ihrer Tochter zu befürchten hatte. Die überraschende Zugabe von Walter Giezedanner, legte sich wie eine einschläfernde Lähmung auf die Tafelrunde, die Snob-Gespräche wollten nicht mehr so richtig in Gang geraten.

 

Geschickt führte jedoch Tante Frieda die zügellosen Pferde wieder auf die richtige Fahrbahn, sorgte kurz dafür, dass die mittlerweile etwas müden Kinder mit Nachtisch Naschen wieder wach wurden und schaffte es, mit einem Stichwort das allgemeine Interesse auf die Fusion zwischen Migros und Denner zu lenken, welche in diesem Jahr zustande kam. Das Geburtstagskind, Hildegard, zeigte plötzlich großes Interesse an mir bzw. an meiner Theater-Aktivität und wechselte dazu den Stuhl temporär mit einer Cousine Erikas zu meiner Rechten, welche bis zu diesem Zeitpunkt zwei oder dreimal niesen musste, ansonsten kein einziges Wort gesprochen hatte!

 

Hildegard war das langweiligste, was mir je untergekommen war. Sie fragte Dinge, die wir eigentlich sonst von siebenjährigen Kindern erwarten; „ist Theater spielen eigentlich schwierig“? War die Ouvertüre zu einem endlosen Schwank.

 

Damit lehnte er sich wieder sittlich in seinen Stuhl zurück, schenkte mir noch ein vielsagendes Lächeln und damit war Tante Erikas eventuell geplante, neue Offensive im Keime erstickt. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich ausgerechnet hier, bei diesen Snobs, ein solches Hochgefühl einfahren könnte. Der Blick, den ich von meiner Mutter zugeworfen erhielt, war eine Mischung aus Dankbarkeit, Bewunderung und auch Erlösung. Sie wusste an diesem Tag, dass sie nie mehr eine spitzzüngige Basler Schnoore von ihrer Tochter zu befürchten hatte. Die überraschende Zugabe von Walter Giezedanner, legte sich wie eine einschläfernde Lähmung auf die Tafelrunde, die Snob-Gespräche wollten nicht mehr so richtig in Gang geraten.

 

Geschickt führte jedoch Tante Frieda die zügellosen Pferde wieder auf die richtige Fahrbahn, sorgte kurz dafür, dass die mittlerweile etwas müden Kinder mit Nachtisch Naschen wieder wach wurden und schaffte es, mit einem Stichwort das allgemeine Interesse auf die Fusion zwischen Migros und Denner zu lenken, welche in diesem Jahr zustande kam. Das Geburtstagskind, Hildegard, zeigte plötzlich großes Interesse an mir bzw. an meiner Theater-Aktivität und wechselte dazu den Stuhl temporär mit einer Cousine Erikas zu meiner Rechten, welche bis zu diesem Zeitpunkt zwei oder dreimal niesen musste, ansonsten kein einziges Wort gesprochen hatte!

 

Hildegard war das langweiligste, was mir je untergekommen war. Sie fragte Dinge, die wir eigentlich sonst von siebenjährigen Kindern erwarten; „ist Theater spielen eigentlich schwierig“? War die Ouvertüre zu einem endlosen Schwank.

 

Schlussendlich wollte ich dem Aufsatzthema bzw. dem vorgegeben Titel doch noch gerecht werden. Wenn ich das Sagen hätte!

Also gut, nach reiflicher Überlegung komme ich zum Schluss:

 

Bevor Ihr Erwachsenen beginnt, gescheit daherzureden:

 

Haltet einfach alle den Mund, es sei denn, Ihr habt etwas Sinnvolles und wahres (ehrliches) mitzuteilen.

 

Nieder mit dem Snobismus!

 

 

Valerie

 

* * *

Valerie Kyburz

 

„Erhebt Bildung Anspruch zu lehren?“ 

(Urheberrechte & Copyrights © by Valerie Kyburz)

 

Von meinem Schülerpult aus, zweite Reihe außen, konnte ich meine Lehrerin gut beobachten, sofern sie auch an ihrem Pult saß. Dieses stand an der Fensterfront, während ich am Gang der fensterlosen Wand, nur zwei Meter vor der Zimmertür platziert war.

 

Am heutigen Aufsatz-Thema wollte und musste ich mich anstrengen, denn im Vorfeld – vor einer Woche, war ich maßgeblich beteiligt, dass besagtes Thema gewählt wurde. Dazu motivierten mich zwei miterlebte Schuldramen von Freundinnen, welche von der Lehrerin (nicht von der jetzigen) psychisch dermaßen gefoltert wurden, dass die eine einen Selbstmord-Versuch unternahm und die andere, während den zwei Jahren bei derselben Lehrerin, mehr weinte als lachte und mehr verzweifelt in meinen Armen hing, als zu versuchen, sich aufzurichten. Wie grundverschieden wir doch sind, im selben Alter und wie schwach die einen und stark die andern.

 

Besagte Terror-Lehrerin hatte mich zwar auch auf dem Kicker, doch sie stellte schnell fest, dass sie mich weder ängstigen noch verunsichern konnte. Zweimal wollte sie der Klasse vorführen, dass sie auch mich dominiert, doch beide Versuche scheiterten und sie bewies immerhin so viel Übersicht, dass sie es dabei bewenden ließ. Beim ersten Mal schrie sie mich an und als sie die Schlussworte „hast du das kapiert“ hervorstieß,  sagte ich ruhig; „in einem Buch von Charles Dickens kann man nachlesen, dass Menschen, die anfangen zu schreien statt zu sprechen, am Limit ihrer Intelligenz angelangt sind.“ Zunächst herrschte einen Moment bleierne Stille im Schulzimmer und die Lehrerin brachte den offenen Mund nicht mehr zu, während ich triumphierend nach doppelte; „ich habe alle Charles Dickens Bücher gelesen!“ …, beides war gelogen!

 

Sie bereitete sich dann auf eine zweite Attacke vor, doch hatte sie das Pech, dass sie sich dafür den ungeeignetsten aller Momente aussuchte, nämlich just einen Tag nachdem sich Beatrice die Pulsader am linken Handgelenk aufgeschnitten hatte und nicht zur Schule kam. Das wussten zu diesem Zeitpunkt nur vier Personen. Die Mutter von Beatrice – Vater hatte sie keinen. Meine Eltern und ich. Schlimm genug, dass dies nur drei Wochen vor unserem letzten Schultag des vorletzten Schuljahres passierte. Die Mutter von Beatrice rief zuerst meine Mutter an, weil sie wusste, dass ihre Tochter zu mir einen sehr engen Draht hatte. Meine Mutter riet ihr, der Schule vorerst nur mitzuteilen, dass Beatrice krank wäre und deswegen die nächsten Tage nicht in die Schule kommen würde. Ich kriegte eine solche Wut und war kurz davor, mit einem langen Küchenmesser in die Schule zu gehen, um das Scheusal, die Lehrerin, totzumachen. Glücklicherweise rief meine Mutter meinen Vater an, der bereits im Büro war, sofort alles stehen und liegen ließ, unverzüglich nach Hause kam und ein imposantes Management inszenierte.

 

Zuerst umarmte er meine Mutter, dankte ihr, dass sie ihn angerufen hatte, dann nahm er mich, ließ mich auf seine Knie sitzen wie damals, als ich noch ein kleines Mädchen war, streichelte meine Haare und sagte ruhig und bedacht; „das Küchenmesser legen wir nachher wieder in die Schublade wo es hingehört. Beatrice wollte sich nicht umbringen, sie tat in ihrer Verzweiflung einen großen Hilfeschrei. Die Pulsadern aufschneiden ist dafür eine dankbare Methode, es passiert nichts, man müsste sie der Länge nach auf-schneiden, aber das wusste sie bestimmt nicht und falls, wollte sie es gar nicht. Sie ist außerhalb jeglicher Gefahr. Und nun zu dir, du bist ein psychisch starkes Kind, du bist intelligent und hast eine interessante Zukunft vor dir. Gehe in die Schule ohne jegliche Emotionen. Falls irgendetwas geschieht oder zur Sprache kommt, setzt du deinen Intellekt ein, so, wie du ihn in letzter Zeit immer erfolgreich eingesetzt hast. Überlasse Emotionen den dummen, du hast das gar nicht nötig. Hast du noch irgendwelche wichtige Fragen?“

 

Die Gefühle, die mich durchströmten waren so stark, wie ich sie kaum jemals zuvor verspürte. Mein Vater war nicht nur ein großer Psychologe, er war auch Stratege, Manager …, und Vater! Ich hatte keine Fragen mehr, ich fühlte mich wie eine leere Batterie, die gerade mit dem Ladegerät auf 100,0 % auf den optimalsten Leistungsstand aufgeladen wurde.

 

So ging ich an diesem Tag zur Schule, auch innerlich völlig beruhigt, was den Gesundheitszustand von Beatrice anbelangte. 

 

Vaters Erklärungen waren so einleuchtend und selber wusste ich, dass sie sonst unter keinen Depressionen litt. Sie war hübsch, sie war auch unterhaltsam und anständig. Der Terror der Lehrerin machte sie jedoch mehr und mehr unsicher und verzweifelt.

 

Die ganze Turbulenz an jenem Morgen führte jedoch dazu, dass ich die Hausaufgaben zu Hause liegen gelassen hatte und die Zeit reichte nicht aus, um nochmals hin und zurückzugehen.

 

Und als hätte es mir die Lehrerin an der Nasenspitze angesehen, forderte sie die Aufgaben-Hefte von allen, an den Außen Reihen sitzenden Schülerinnen und Schüler. Also die Fensterreihe, die Mittelgangreihe und die Wandreihe.

 

Ich hob die Hand, sie gab mir das Zeichen zu sprechen und ich teilte mich mit: „Es tut mir leid, ich habe das Aufgaben-Heft zu Hause vergessen.“

 

Der Triumph in ihren Augen beschwor das folgende Drama herauf:

„Nicht gemachte Aufgaben bewirken eine 1 als Benotung.“

 

   Damit ließ sie es bereits bewenden und wandte das Interesse von mir ab. Erneut erhob ich die Hand, doch sie ignorierte es. Ich stand auf und bemerkte: „Ich habe nicht gesagt, ich hätte die Aufgaben nicht gemacht, sondern das Aufgaben-Heft zu Hause vergessen!“

 

„Niemand hat dich aufgefordert zu sprechen, also sei still!“

 

Nun musste ich aufpassen, dass mir nicht doch noch der Kragen platzte und so überlegte ich meinen nächsten Schritt genau.

„Hat noch jemand die Aufgaben nicht gemacht?“, fragte sie in die Runde. Niemand meldete sich, doch ich benutzte die Gelegenheit erneut die Hand zu heben. Sie ignoriert mich erneut.

Ich stand wieder auf und sagte laut; „gestern Abend hat sich Beatrice Suter die Pulsader aufgeschnitten, sie ist im Spital, werden Sie das auch einfach ignorieren?“

 

Totenstille trat ein im Zimmer und die Lehrerin wechselte die Gesichtsfarbe, sagte aber dennoch sehr barsch;

„wenn du dich wichtigmachen willst mit diesem Unsinn, dann kann ich noch heute deinen Rausschmiss aus der Schule beantragen.“

 

„Mich? Wieso denn?  Sie hat sich die Pulsadern ihretwegen auf-geschnitten, nicht meinetwegen!“

 

Sie war jetzt nicht blass, sondern richtig weiß im Gesicht geworden, ihre Lippen blutleer und ich doppelte nach; „mein Vater hat übrigens meine Aufgaben gestern angesehen und kurz kommentiert, er meinte, damit müsste ich eine gute Note bekommen. Wenn Sie mir lieber eine 1 unterjubeln wollen, ist das Ihre inkompetente Handlung, aber für die Misshandlungen an uns Schülern, im Besonderen an Margrit Sommer und Beatrice Suter kriegen Sie von uns als Note eine 1 unter null!“

 

Sie war Schachmatt. Unfähig etwas zu sagen, ihr Mund zitterte, sie war einem Kollaps nahe, dem weinen. Bei einigen von uns stellte ich sogar sowas wie Mitleid fest, doch auch die Gewissheit, dass alle geschlossen hinter meinen Argumenten standen.

Erhaben wie ein Condor, hoch oben im Kreis fliegend, die sichere Beute unten im Visier anpeilend, stieß ich hinab und beging sowas wie „Leichenschändung“!

„Da Sie älter und besser gebildet sind als wir, glauben Sie auch, Sie wären dazu privilegiert, uns zu lehren, aber dazu bedarf es noch anderer Fähigkeiten. Ich habe einmal gelesen, dass eine lehrende Person auch von Psychologie und Pädagogik eine Ahnung haben sollte. Ich werde den Rest dieses Tages die Schule schwänzen und Beatrice im Spital besuchen, gehen Sie auch hin?“

 

* * * * *

 

Aus den Gedanken gerissen beobachte ich seit geraumer Zeit unsere neue Lehrerin aus meinem Schülerpult von der Sitzreihe an der Innenwand. Dabei bin ich mir nicht einmal so sicher, ob sie es vielleicht nicht schon lange bemerkt hat und mich seelenruhig weiter „beobachten lässt". Es fehlen mir noch zwei Sätze, um den, …, so wichtigen Aufsatz zu beenden. Wir sind jetzt zu Beginn des  letzten Schuljahres. Die fehlbare Vorgängerin wurde mit sofortiger Wirkung suspendiert, nachdem es sogar noch polizeiliche Ermittlungen gegeben hatte.

 

Die Neue hatte die Erschwernis, dass sie einer Sonderaufgabe gegenüberstand, zunächst unser Vertrauen wiederzugewinnen. Wenn ich so darüber nachdenke, machte sie dies eigentlich recht gut. Sie plusterte sich nie wichtig auf. Laberte nie gedankenlos dahin, erwähnte nicht ein einziges Mal die Vorkommnisse ihrer Vorgängerin und behandelte uns alle gleich. Es gab weder privilegierte noch benachteiligte. Es gab aber auch keine Glacé-Handschuhe für Margrit und Beatrice.

 

Sie hatte sich wirklich vorgenommen, ihr Eintreten in die Klasse, so, wie ein neues Auto, mit null Kilometern auf dem Tacho zu beginnen. Und das schaffte sie tatsächlich. Ich bewunderte sie.

 

Neue Perspektiven bewegten meine Gedanken. Wie muss ihr wohl zumute gewesen sein, als ihr die Schulleitung von der Zerrüttung unserer Klasse zu ihrer Vorgängerin berichtete? Sie hat die Aufgabe trotzdem in Angriff genommen!

 

Mein letzter, noch nicht geschriebener Satz, ist gleichzeitig mein innigster Wunsch, dass sie den Kopf wenden und zu mir hinschauen möge, damit ich ihr meine Sympathie mit einem Lächeln übermitteln könnte.

 

Sie tat es. Empfing mein Lächeln, erwiderte es, doch erst, als mein letzter Satz bereits zu Papier gebracht war.

 

 

 

* * * * *

Valerie Kyburz

 

 Aufbruchstimmung! Zum Theater! zum Film!

(Urheberrechte & Copyrights by Valerie Kyburz)

 

 

Schon oftmals habe ich versucht, mich zu erinnern, welches nun wirklich der entscheidende Funke war, der mich zum Theater brachte. Der Schritt zum Film ist dann wohl eher eine Folge davon.

 

Vielleicht waren es auch mehrere Funken. Was mich ganz bestimmt in Bann zog, waren die Gerüche. Das Theater verbreitet Gerüche. Polster, Kleider, Perücken, Kulissen, der große Vorhang mit seinen noch größeren Geheimnissen. Zumindest so lange, bis er aufgeht. Und wenn er aufgegangen ist, sind es die Kulissen, die sehr unterschiedliche Gefühle in mir weckten. Bäume und Wald vermittelten in mir Spannung, auch ein bisschen Angst, Ungewissheit, vor allem dann, wenn noch keine Schauspieler da waren und nur die Kulissen auf mich einwirkten. Manchmal war ich auch enttäuscht, wenn nur eine spärliche Hausfassade da war, eine Türe die ins Haus führte, daneben ein kleiner runder Tisch mit zwei Stühlen so klein, als würden gleich Zwerge auftreten. Die Szene hell belichtet, die keine Hoffnung auf etwas Mysteriöses entfachen konnte. Doch dann faszinierte mich ein Troubadour, der plötzlich da war und mit lauter, deutlicher und sicherer Stimme sprach, die ganze Szene dominierte und die ärmliche Kulisse vergessen ließ.

 

In den ersten Schuljahren hatte ich nur drei Freundinnen, für die Theater auch ein Thema war, doch das Gros der Klasse sah sich allenfalls als möglicher Theaterbesucher, jedoch niemals als Darsteller.

 

Da ich bereits im Kindergarten Alter Ballettunterricht genoss, hatte ich einen Vorgeschmack darauf, dass bei einer entsprechenden Ausbildung auf der Bühne eine gewisse Härte an Disziplin verlangt würde. Davor hatte ich keinen Bammel, auch wusste ich ziemlich genau was ich nicht wollte. Keine Oper oder Operette, kein Musical und auch keine Auftritte in einem Kolosseum oder Amphibientheater. Ich wollte das, was mich auch als Zuschauerin faszinierte. Das hautnahe Bühnentheater, wo der Besucher jeden Fehltritt (Körper) oder Versprecher (Text), mitkriegt. Eine riesige Herausforderung. Nicht wie beim Film, wo bei jedem Fauxpas ein Cut erfolgt und die Szene so lange wiederholt wird, bis der Regisseur zufrieden ist. Aber an dem Tag, als ich es wusste, dass Theater meine Welt sein sollte, stand der höchste zu bezwingende Berg, meine Eltern, noch vor mir.

 

Dieser „Lokalkrieg“ dauerte fast ein Jahr und ich schien ihn zu verlieren, doch dann hatte ich die Eingebung. Meine Eltern argumentierten cool nicht etwa aggressiv, aber fast endgültig. Ich wiederum wollte nicht so kindisch reagieren wie einige aus meiner Klasse, wenn ich bei ihnen zu Hause ähnliche „wir erlauben dir das nicht“ Situationen erlebte und die Reaktionen der Kinder dann sehr schmollend und eben auch hoffnungslos endeten.

 

André Gut ist vier Jahre älter als ich, spielte bereits Theater. Ich lernte ihn auf einer Geburtstags-Party von Evelyn Hauser kennen. Er gefiel mir auf Anhieb, ich ihm vielleicht auch, jedenfalls war das gerade mitten im „Krieg“ mit meinen Eltern. In einem günstigen Moment machte ich mich an ihn ran und konnte ihn für ein Gespräch gewinnen. Ich schilderte ihm ohne Zuckerguss mein Problem, er hörte mir aufmerksam zu, dann fragte er mich, wann mein nächster Geburtstag wäre. Ich sagte ihm das lachend und fragte, was das mit meinem Problem zu tun hat und er sagte; „lade mich zu deinem Geburtstag ein, stelle mich deinen Eltern als deinen besten Freund vor und den Rest mache dann ich. Da dein 12. Geburtstag auf einen Samstag fällt, können wir dich am Montag darauf beim Basler Kindertheater einschreiben. Ein Familienmitglied muss dabei sein zum Unterschreiben.“

 

Einen Moment lang brachte ich meinen Mund nicht zu und er küsste mich ganz schnell, sagte noch; „ich dachte zuerst, du hättest ein ernst zu nehmendes Problem, aber du hast keines, deine Eltern haben eines! Ich werde es ihnen nehmen!“

 

Es braucht einiges, mich sprachlos zu machen, aber er schaffte es und er hatte sogar die Unverfrorenheit, mich bis zu meinem Geburtstag im Dunkeln tappen zu lassen, wie er meine Eltern „umdrehen“ würde.

 

Er tat es dann mit einer Leichtigkeit, wie ein Clown ein kleines Kind zum Lachen bringt. Zunächst hatte er dafür Sorge getragen, dass er ein positives Punkte-Kontingent auf seinem Konto, meine Eltern betreffend, eingeheimst hatte, dann stieß er gnadenlos zu. Die Torte war fast vertilgt, hebt er sein Kinder-Champagner Glas, prostet meinen Eltern höflich zu, bedankt sich für die herzliche Gastfreundschaft, dann zu mir mit den Worten; „liebe Valery, nochmals herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag und besonders zu deinem schönen Geschenk von deinen Super Eltern, die dich Theater spielen lassen, mit eurem aller Einverständnis begleite ich euch am Montag zum Direktor für deine Registrierung und weißt du was Valery, der neue Direktor hat mir die Hauptrolle im Stück ›Die Hexe aus dem Weltall‹ gegeben, er möchte, dass die Rosmarie Scholl meine Tochter spielt, aber ich möchte lieber dich, weil, weißt du was? Der Direktor sagte mir, wenn das Stück Erfolg hat, wird es verfilmt fürs Fernsehen, yupppiiieee, prost!“

 

Einen kurzen Moment blieb mir das Herz stehen, doch nur kurz, ich erkannte Andrés Schauspiel, sein gewaltiges Talent, Menschen zu fesseln, an der Nase herumzuführen oder falls nötig, sie für kurze Zeit als Tanzbären vorzuführen. Ich schlüpfte in seine Rolle, ließ, wie hergezaubert, ein paar Freudentränen über meine Wangen kullern, setzte das glücklichste Gesicht meines Lebens auf, hielt das Glas immer noch wie eine hypnotisierte mit angewinkeltem Arm, zum Anstoßen bereit in der rechten Hand und wandte dieses „Werbebild“ meinen Eltern zu.

 

Der Mund meiner Mutter war noch weiter offen als meiner zu Beginn dieser bühnenreifen Szene doch in ihren Augen las ich, dass gleich eine gehörige Opposition einfahren würde. Aber Vater verhinderte es. Er war in diesem Stück der Tanzbär, stieß zunächst mit mir, dann mit André an und sagte feierlich; „so viel Freude muss einfach gefeiert werden, ich wünsche euch viel Glück“, und zu Mutter gewandt; „ist noch eine Flasche da? Kinder Champagner hat mir noch nie so gut geschmeckt wie heute, du wirst die beiden am Montag begleiten und Valerie einschreiben!“ (nächste Szene; der Mund meiner Mutter bleibt weiter offen, doch die Augen verlieren den Oppositionsglanz).

 

Nachdem ich eingeschrieben war an besagtem Montag, lud uns Mutter noch zum Nachtessen ein, André und mich. Später gesellte sich sogar Vater noch dazu, der sich danach von mir und Mutter verabschiedete, weil er mit André noch etwas zu besprechen hätte.

 

Natürlich hatte ich etwas den Bammel, weil ich meinen Vater kannte und wusste, dass man ihn nicht so leicht aufs Glatteis führen konnte und ich glaubte zu diesem Zeitpunkt auch noch, dass André die Hexe aus dem Weltall, die Rosmarie Scholl, seine Hauptrolle, die Verfilmung, den neuen Direktor und mich als seine Tochter einfach so auf die Schnelle erfunden hatte, um eben glaubhaft zu wirken.

 

Keinen Bammel hatte ich jedoch vom Zugeständnis meiner Eltern, dass sie nun ihr „Geschenk“ an mich rückgängig machen würden.

Vater würde sowas niemals tun. Erst am Mittwoch, als ich André wieder alleine treffen konnte, lüfteten sich noch ein paar Dinge, die mich sehr froh und glücklich stimmten und schließlich noch zu ein paar Lachsalven führten.

 

André schwindelte gar nichts. Es stimmte alles, was er an meinem Geburtstag erzählte. Alles.

 

Mein Vater nahm ihn ins Gebet und war, nachdem er gewusst hatte, dass nichts gelogen war, noch mehr von ihm angetan. Sein Schluss-Plädoyer ihm persönlich gegenüber lautete; „ich bin in meinem Geschäftsleben einigen Lausebengels begegnet, doch du bist der jüngste Satansbraten von allen. Viel Glück und Erfolg! Pass etwas auf mein Kind auf, solange es in deinem Blickfeld weilt.“

 

Auch dies tat André souverän. Er lehrte mich noch ein paar andere nützliche Dinge, zum Beispiel wie man mit Erwachsenen umgeht, denn darin war er ein unbestrittenes Genie!

 

 

* * * * *

 

VALERIE KYBURZ

 

Frondienst im Haus der Geistesgestörten, Teil I

 

(Urheberrechte & Copyright by Valerie Kyburz)

 

Endlich einmal ein völlig freies Aufsatzthema! Aber, o Schreck, ehe wir uns versehen, steht bei einigen Schülerinnen und Schülern Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Auch bei mir. Ich ertappe die Lehrerin dabei, wie sie verschmitzt schmunzelt, gleich wird sie etwas sagen. Sie wird uns auslachen und vielleicht fragen; „was ist denn, ist euch die Fantasie abhandengekommen?“ Oder, „hättet ihr lieber ein vorgegebenes Thema? Wie wär es denn mit – wenn die Schulglocke läutet oder – was bringt mir wohl der Weihnachtsmann?“ Ich muss selber spontan lachen, ob meinen Gedanken. Doch die Lehrerin verkneift sich jeglichen Kommentar, sie tut jetzt so, als würde sie unsere Verunsicherung ignorieren, schmökert, am Pult sitzend in irgendeiner Lektüre und überlässt uns unserem Schicksal.

 

Nach ein paar unfruchtbaren Gedankengängen, entscheide ich mich für etwas Schwieriges. Für ein Erlebnis das ich nie vergessen werde. Zunächst musste ich mir darüber klar werden, ob nun die Bezeichnung „Geisteskrank“ oder „gestört“ die zutreffende ist. Meiner Intuition folgend fand ich geistes-gestört die Zutreffende.

 

Während in Deutschland und Österreich der Begriff „Frondienst“ nicht mehr so bekannt ist, ist er in der Schweiz noch ein fester und auch gebräuchlicher Begriff. Jemand opfert ein Teil seiner Freizeit (meistens Urlaub) für eine gute und oder lehrreiche Sache. Man hilft dem Bergbauern beim Ernten, beim Heuen oder im Spital oder Altersheimen usw., erhält für diese Arbeit Essen und Nachtlager, jedoch keine Entlohnung.

 

In der Zeitung las ich eine kleinere Annonce, worin eine pensionierte Rot-Kreuz-Schwester junge Leute suchte, die ihr gerne helfen würden, ein mehr oder weniger verlottertes, älteres Herrschafts-Haus mit großem Umschwung, welches ihr vom Städtchen Meisterschwanden geschenkt wurde, wieder auf Vordermann zu bringen, weil sie da ein Projekt für geistig behinderte Kinder und Jugendliche realisieren wollte. Zum Zeitpunkt, als ich die Annonce sah, war das Projekt bereits angelaufen und ich entschloss mich, drei von meinen fünf Wochen Sommerferien dafür zu opfern.

 

Meine Eltern, die eigentlich bereits die Ferien verplant hatten, zwei Wochen Côte d’Azur, zwei Wochen Algarve und eine zu Hause (um sich vom Urlaub zu erholen, bevor es wieder in den Stollen‹ ging), wollten mir die Chose verbieten, doch ich stellte sie vor nackte Tatsachen und verteidigte mich ehrenhaft, indem ich ihnen sagte, dass ich schon fest zugesagt hätte und nun nicht wortbrüchig auftreten könne. Als erst 15-Jährige könne ich nicht wortbrüchig sein, meinte meine Mutter und damit war einmal mehr ein Gefecht heraufbeschworen zwischen ihr und mir und ich musste einmal mehr meinen Vater um den Finger wickeln, der schlussendlich immer das Endschiedsgericht verkörperte und mir zum Siegerpodest verhalf. Diesmal war es jedoch besonders schwierig, weil Mutter ins Gefecht führte, dass diese Rot-Kreuz-Schwester vielleicht da ein Irrenhaus ähnliches Projekt versteckt hält, welches für mich besonders gefährlich sein könnte.

 

Es hat mich immer wieder fasziniert, wie Mütter im Allgemeinen mit fadenscheinigen Argumenten ihre Kinder von etwas abhalten, im Gegensatz jedoch auch zu etwas überreden imstande sind. Unzählige Besuche bei meinen Freundinnen zu Hause zeigten mir eine reichhaltige Vielfalt davon.

 

Am Tage als das Schiedsgericht das Urteil fällte, also mein Vater, wurde folgendes beschlossen; Valerie begleitet ihre Eltern für zwei Wochen nach Frankreich und wird nach der Heimkehr nach Meisterschwanden ziehen, um für drei Wochen den angesagten Frondienst anzutreten. Die Eltern gehen dann noch für etwa zehn Tage in die Algarve und dann wieder nach Hause. Nach Rücksprache mit der Rot-Kreuz-Schwester Astrid war das Paket in diesem Sinne geschnürt. Als Mutter die Schwester vor dem Abschied noch fragte, ob sie denn aus Frankreich täglich einmal anrufen dürfe, sagte die Schwester ziemlich energisch; „wir haben keine Telefonistin im Haus und sind personell sehr limitiert, im Übrigen sind noch weitere sechs Frondienstler hier, wenn die alle einmal täglich angerufen würden gute Frau, könnten wir unsere Arbeit nicht mehr bewältigen, die Valerie macht mir einen sehr selbständigen Eindruck, sie ist kein kleines Mädchen mehr!“

 

 

Undhastdunichtgesehn, wie Vater auf den Stockzähnen lachte und mir zuzwinkerte? Wie wäre mein Lebensweg wohl verlaufen ohne ihn? Zum Glück musste ich mir das nie vorstellen!

 

Doch als wir das Anwesen am Verlassen waren, drangen noch ein paar undefinierbare Schreie an unsere Ohren, die mir kurz einen eiskalten Schauer über den Rücken ziehen ließen, doch ich tat so, als hätte nur ein Hund gebellt, während Mutter erschrocken meinen Vater anstarrte. Ob die Schreie von einem Kind oder einem Tier stammten, war nicht auszumachen, irgendwie konnte man sich dabei gut vorstellen, dass da gerade im Innern der Villa ein Gruselfilm gedreht wurde!

 

Das wird bestimmt spannend hier, dachte ich, immer noch leicht fröstelnd, und als wir schon ins Auto gestiegen waren, drehte ich im Fond des Wagens das Fenster herunter und hörte nochmals, wie aus weiter Ferne, drei furchtbare Schreie. Vater sagte nichts, ich auch nicht und Mutter fiel offenbar nichts Plausibles ein, so schwieg sie auch, als Vater losgefahren war.

 

 

Fortsetzung folgt …,

 

 

lesen Sie den zweiten Teil im November Newsletter 2020 oder hier, bei

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