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Pierre Montagnard

   

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März 2021

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Lesen Sie im März

die folgenden Beiträge:

 

 

 

 

Michael Kothe: WIR HABEN IHRE TOCHTER! Kurzkrimi

 

Der Jugendwettbewerb für 14 bis 18-Jährige ist auf der Zielgeraden: Die eigenen Träume wahrmachen.

Einsendeschluss ist der 31. März 2021

 

Pierre Montagnard: WEIHNACHTEN IM URWALD Teil IV

 

Der offizielle Schreibwettbewerb für das I. Semester 2021 für alle Altersklassen: Schauen Sie gleich nach in der Rubrik AKTUELLES bei Wettbewerb 2021 

 

 

 

 Wir haben Ihre Tochter

(Urheberrechte & Copyrights © by Michael Kothe)

 

 

»Berger. Guten Abend.«

»Reden Sie nicht, hören Sie einfach zu! Wir haben Ihre Tochter. Kein Wort zu irgendjemandem! Es geht Ihrer Tochter gut. Noch. Wir melden uns wieder.«

Berger hatte gerade aufgelegt, als das Telefon nochmals läutete.

»War ich deutlich genug? Keine Polizei! Wir beobachten Ihr Haus, und wir haben Ihr Telefon angezapft.«

 

Unwillkürlich trat Berger ans Fenster. Immer musste er sich gerade so verhalten, wie es der Situation am wenigsten angemessen schien. Er selbst schob das auf seinen Zynismus, der ihn regelmäßig auf Konfrontationskurs führte. Sachte schob er die Gardine so weit zur Seite, dass er einen Blick nach draußen werfen und dennoch hoffen durfte, man habe die Bewegung von der Straße aus nicht gesehen. Dann schlug er sich mit der flachen Hand an die Stirn, schüttelte den Kopf und schalt sich einen Esel. Nach einem kurzen Durchatmen griff er einen Stift und kritzelte etwas auf den Rand seiner Fernsehzeitung. Hoffentlich konnte er das später noch entziffern! Dann tat er genau das, was die Entführer ihm verboten hatten: Er rief die Polizei an.

 

»Kriminalpolizei in Ebersberg, Kriminalhauptkommissar Unwohl. Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Herr Unwohl, Berger hier, ich hoffe, Sie sind der Sache gewachsen. Ich melde Ihnen eine Entführung. Die Entführer haben mir bisher nur mitgeteilt, sie hätten meine Tochter in ihrer Gewalt. Sie melden sich wieder, sagten sie. Das Übliche …«

 

Ungesehen huschte die kleine Ermittlertruppe in Zivil durch den Garten über die Terrasse und war nach Sekunden in Bergers Diele versammelt. Im Wohnzimmer wollten sie nicht bleiben, da das von dem schmalen Weg zwischen den Reihenhäusern her eingesehen werden konnte. Als Berger nach einem schnellen Rundumblick und nach dem Schließen des Gartentürchens das Wohnzimmer durchquerte, hatten die Polizisten im Esszimmer schon mit dem Aufbau ihrer Geräte begonnen.

»Sagen Sie mal, Herr Berger, die Vermisstenanzeige ist schon vier Tage alt, und da melden sich die Entführer erst jetzt?«

Der Angesprochene zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung, Herr Unwohl. Da kann ich auch nur spekulieren. Schließlich sind Sie der ermittelnde Beamte.«

»Na, egal. Jedenfalls war es gut, dass Sie uns gleich gerufen haben.« Unwohl bemühte sich um einen versöhnlichen Ton.    »Zwischen den beiden Anrufen waren gerade einmal Sekunden vergangen? Dann haben die Verbrecher Ihre Nummer sicherlich eingespeichert. Sie haben eine Telefonnummer, sagten Sie?«

»Klar, ich habe nicht umsonst ein gutes Zahlengedächtnis. Nur den Bruchteil einer Sekunde stand die Nummer auf meinem Display, bevor die Rufnummernunterdrückung aktiv wurde. Warten Sie, ich hab sie aufgeschrieben.« Berger kratzte sich am Kinn. Sein Gedächtnis hatte wohl ausgereicht, sich die Nummer des Anrufers zu merken, bis er sie aufs Papier geworfen hatte, aber wo hatte er nun seine Notiz? Nach einigem Kramen auf dem Couchtisch im Wohnzimmer kehrte er ins Esszimmer zurück und überreichte mit einem befriedigten Lächeln den abgerissenen Zeitungsrand.

»Horst,« rief Unwohl seinem technischen Kollegen zu, »das ist dein Revier.« Er reckte sich mit dem Zettel über den Esstisch.

Mit der Notiz verschanzte sich dieser Horst wieder hinter seinen beiden Computern. Laptops, die mit reichlich Peripherie verkabelt waren, deren Zweck Berger nicht ansatzweise verstand. Gefragt hatte er allerdings auch nicht. Ihm genügte es, dass die Ermittler ohne Aufsehen sein Haus erreicht und sich darin eingerichtet hatten. Mit mehreren Flaschen Mineralwasser und mit reichlich Kaffee warteten nun alle auf den nächsten Anruf.

»Berger.«

»Hören Sie zu! Wir wollen eine halbe Million. Wir wissen, dass Sie so viel flüssig machen können, schließlich beobachten wir Sie nicht erst seit gestern. Das Geld übergeben Sie uns morgen. Wann genau und wo erfahren Sie noch. Und noch mal: keine Polizei!«

Damit war der Anruf beendet.

Horst schaute hinter seinem Display hervor. »Warum haben Sie nicht nach einem Lebenszeichen gefragt? Ich hätte etwas mehr Zeit gut gebrauchen können. 20 Sekunden waren schon arg knapp.«

 

Berger zuckte die Schultern. Seine Antwort klang besserwisserisch. »Das hätte die Minute auch nicht vollgemacht, die Sie bräuchten. Die Kerle sind gewitzt. Die hätten aufgelegt und sich wieder gemeldet. Wieder nur für einen Moment.«

Horst brummte etwas, das wie »Vermutlich hat er recht,« klang. Schon war er wieder hinter sein Display abgetaucht. Lange blieb er nicht unsichtbar.

»Heureka!«, tönte es, und Horst strahlte Unwohl und Berger an. »Die Kerle kommen sich richtig schlau vor. Haben sich ein gebrauchtes Smartphone gekauft und eine Prepaid-SIM-Karte eingelegt. Natürlich nicht registriert. Wohl in irgend einem Handyladen auf dem Elektronikstrich hinterm Hauptbahnhof gekauft. Keine schlechte Idee, aber an eins haben sie nicht gedacht …«

Die Gruppe entspannte sich. Der Anruf bezüglich Uhrzeit und Ort der Geldübergabe war vor morgen nicht zu erwarten.

Er kam am nächsten Vormittag um Punkt neun Uhr. Viel sagen konnte der Erpresser nicht.

»Jetzt hören Sie mir mal zu!« Bergers Stimme klang fest und fordernd. »Bevor ich von Ihnen auch nur ein Wort darüber hören will, wo ich das Geld hinzubringen habe, verlange ich ein Lebenszeichen.«

 

»Haben Sie sie noch alle? Die Forderungen stellen immer noch wir. Und wenn …«

»Ein Lebenszeichen! Ich werde nirgendwohin fahren und auf einen Austausch warten, wenn ich nicht sicher sein kann, dass meine Tochter noch lebt und am Treffpunkt sein wird.«

»Ist ja gut. Kann ich sogar verstehen. Dauert etwas. In ein paar Minuten melde ich mich wieder.«

»Aufgelegt.« Berger schaute zu den Polizisten.

Horst strahlte ihn über seinen Laptop hinweg an und reckte einen Daumen nach oben. »Jetzt brauchen wir höchstens noch zehn Minuten.«

 

Währenddessen hatte Unwohl ein Telefonat begonnen. Mit dem Smartphone in der Hand baute er sich hinter Horst auf und konzentrierte sich auf den Bildschirm. Das Gespräch führte er mit gedämpfter Stimme. »Gut gemacht,« lobte er Horst danach, »jetzt schalt bitte um auf unseren Livestream. Herr Berger möchte schließlich auch etwas von dem Schauspiel haben.«

Zwei Minuten brauchte Horst, dann winkte er mit dem Zeigefinger Berger zu sich.

Berger trat hinter ihn und starrte auf den Monitor. Eine Gruppe Vermummter mit Sturmhauben und Schnellfeuerwaffen huschte auf die Vorderseite eines Hauses zu. Am Bildschirmrand war für wenige Augenblicke eine zweite Gruppe auszumachen, die augenscheinlich das Haus umrundete. Die Schwarzweißszene rief in Berger die Erinnerung an die Straßenfeger von Francis Durbridge und an Hitchcockfilme wach, wenngleich diese Szene von einer Helmkamera aufgenommen wurde. Seine Gedanken wurden schrill unterbrochen. Das Telefon läutete.

»Berger hier. Ich will …«

 

»Papa! Es geht mir gut. Mmhm.« Offensichtlich hielt ihr jemand den Mund zu. Sogleich meldete sich der Entführer. »Reicht Ihnen das als Lebenszeichen? Können wir uns jetzt vernünftig über die Übergabe unterhalten? Ach, vorher noch eins: Wieso melden Sie sich eigentlich andauernd mit Berger

»Weil Sie sich warum auch immer mit dem Namen vertan und die falsche Nummer gespeichert haben. Und, weil ich Berger heiße. Kriminaloberrat Johannes Berger. Ich sitze mit meinen Kollegen seit gestern in meinem Esszimmer, während Sie sorgfältig das Haus der Familie Bergel beobachten. So hatten wir freie Hand. Moment mal!« Er drehte sich zu Horst um, der triumphierend zu ihm herüber nickte. Bergers Mundwinkel zogen sich in die Breite, als er das Telefon wieder an den Mund hielt. »Ihre Idee mit dem gebrauchten Telefon und der Prepaid-Karte war schon recht gut, aber sie hätten sich beim Kauf erklären lassen sollen, wie man die GPS-Funktion deaktiviert.«

Erleichtert darüber, dass er dem überraschten Verbrecher gegenüber einen zynisch klingenden Tonfall bisher vermieden hatte, schmunzelte er selbstgefällig über seine Ironie.

»Und nun gehen Sie bitte zur Haustür. Wenn Sie selbst öffnen, erleichtern Sie unserem Einsatzteam den Zugriff.« Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Übrigens habe ich gar keine Tochter.«

 

 

 

ENDE

 

 

 


 

Der Jugendwettbewerb für 14 bis

18-Jährige ist auf der Zielgeraden:

 

Die eigenen Träume wahrmachen

Einsendeschluss ist der 31. März 2021

 

 

 

 

 

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Rubrik AKTUELLES, Link, Jugendwettbewerb


Pierre Montagnard

 

 

Weihnachten im Urwald, Teil IV

 

Das sogenannte „Ausschlafen“ ist unter einem Dach, das auch in der Nacht nie unter 28 Grad Celsius fällt, schlicht nicht möglich. Die Dusche ist verhältnismäßig komfortabel, das Wasser frisch, es wird aus einem Pozo (Brunnen) aus 65 Meter Tiefe herauf gepumpt. Das kann man sich einfach so vorstellen: Ein mit einem Dieselmotor betriebener Kompressor erzeugt Druckluft, die in das Wasserloch gepumpt wird, welche das Wasser nach oben, in einen in fünf Meter Höhe aufgebockten Wassertank befördert. So hat das Wasser, das aus fünf Metern Höhe durch den Duschschlauch herunterrauscht, genügend Druck und ermöglicht durch eine eingesetzte Brause ein wahres Duschvergnügen. Da die Duschkabine nach einer Seite hin offen ist, duscht man fast nie alleine. Kommt der Nasenbär, sind dafür keine Enten da. Nicht selten, dass eine Ente gleich als Frühstück des Nasenbären dient, wenn sie zu vorwitzig ist. 

 

 

 

Ein Besucher flog sogar einen ausgewachsenen Boxerrüden aus der Schweiz ein und meinte, der würde dann dem Nasenbären schon den Meister zeigen. Stimmt, es gab einen „Tarifwechsel“, einen sehr eindrücklichen. Der Boxer griff den putzigen Nasenbären an und hatte 30 Sekunden später eine durchgebissene Kehle. Immerhin musste der Hundenarr kein Rückflugticket mehr kaufen für seinen Piepmatz, denn so haben sich dessen letzten Laute angehört!

 

Aber zurück zu uns. Nachdem Jörg als erster den Gang zur Dusche wagt, danach Karl Heinz, Bruno und ich, meint Darius:       "Einmal duschen in drei Tagen sollte genügen, ich habe keinen Bock, in diesem Zirkus hier aufzutreten, denn wer weiß, ob da nicht plötzlich noch eine Anakonda den Dusch-Schlauch heruntergleitet!"

 

Und so haben wir die sympathische Gewissheit, dass auch heute, am 24. Dezember 1994 die Dariusschen Lacher weiter gewährleistet bleiben. Schon bevor wir uns an den Frühstückstisch setzen, passiert das nächste Drama. Darius ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Wir rufen nach ihm, doch es dauert eine gute Minute, bis er auftaucht. Dies im Sprint, schreiend und wild um sich schlagend, über ihm ein Dutzend Heuschrecken, die zwar weder beißen, noch stechen noch sonst etwas gefährliches tun können, aber sie haben Spaß, wenn sich etwas bewegt. Sie sind 8 bis 10 cm lang, haben eine matte blaugraue Farbe, große schwarze Augen, sie können fliegen, hüpfen, gehen und wenn sie so bedrohlich nahe am Kopf sind und wie Hubschrauber fest am Ort schweben können, könnte man schon bange werden, wenn man nicht weiß, was da auf einen zukommt. Doch sie sind absolut harmlos. Wenn sie jedoch in Massen auftreten, sind sie in der Lage, eine Anpflanzung in eine öde Wüste zu verwandeln.

 

Am amüsiertesten lacht Jörg, er ergötzt sich ganz besonders, wenn Darius im Stress ist. Ich rufe deshalb; „bleib mal stehen, die Brummer sind völlig harmlos!“ Aber Darius hat offensichtlich Angst und rennt weiter. Schlussendlich verzieht er sich ins Haus.

 

Eine Stunde später, so gegen zehn Uhr sind wir "Urwald-tüchtig" angezogen, ausgerüstet, bewaffnet und mit dem Chimán-Kräutersaft eingerieben. Wir verlassen unsere Lichtung Richtung Süden. Darius meint; „wieso gehen wir nicht den Außenweg entlang, wieso mitten ins Ungewisse?“

 

   „Weil es gewiss ist, dass wir im Ungewissen auf interessante Dinge stoßen. Pflanzen und Tiere, im Urwald sieht man Blumen und blühende Pflanzen, die man nirgends sonst zu Gesicht bekommt. Höchstens auf Fotos."

 

Das erste interessante Ding, auf das wir stoßen, liegt etwa zwanzig Meter vor uns. Es entpuppt sich als der umgedrehte Panzer einer Riesen-Schildkröte. Wir begucken uns den Panzer, ich messe ihn, er ist 1,12 Meter in der Länge. Die unzähligen Kratzspuren auf der Innenseite des Panzers deuten darauf hin, dass nur ein größeres Raubtier infrage kommt. Die Kröte wurde von ihm umgedreht und dann herausgekratzt. Ein schlimmes Ableben für die Kröte. Der Gestank und die noch zahlreichen Fliegen und Ameisen deuten darauf hin, dass dieses Kratz- Gelage noch nicht älter als 48 Stunden sein kann und nur ein Jaguar infrage kommt, denn er hat hier keine Konkurrenten seines Kalibers.

 

 

Wir gelangen zum Zaun, der die Grenze des 475 Hektar großen Grundstückes umgibt. Der Außenweg ist kaum mehr zu erkennen. Er ist wieder zugebuscht, denn weder im Süden, noch im Osten gibt es Nachbarn, die den Weg unterhalten, und wir, die wir nur sporadisch bis zum Südende gelangen (einmal pro Monat, um den Zaun zu kontrollieren), brauchen diesen Außenweg nicht mehr. Er wurde damals angelegt, als die Umzäunung der Südseite vom Nordende zum Ostende errichtet wurde, um mit dem Traktor die Zaunpfosten (440 Stk.) und den Stacheldraht (4 x 2,2 km, also rund 9 km Draht) hinzufahren sowie die Arbeiten und Abmessungen zu ermöglichen. Nach Süden und Osten kann man sich hier nur noch in endlosem Urwald verirren. 

 

 

Hingegen wird der Außenweg vom Südende zum Nordende von uns und dem Nachbar unterhalten. Er ist entsprechend gut gepflegt und begehbar. Aus Vernunftgründen haben beide Seiten auf eine Einzäunung verzichtet. Mir sind noch zu viele Grenzsteinbalgereien aus der kleinen Schweiz bekannt, wo die Kontrahenten mit Anwälten, Richtern gelegentlich sogar unter Androhung von Prügel, die Reichweite ihres Horizontes kundtaten und damit auch noch brillierten, womit sie erst recht ihr offensichtliches Manko auswiesen.

 

Ich sagte es an anderer Stelle schon einmal. Es definiert sich der Begriff Freiheit eben schon ganz unterschiedlich, je nachdem, wo man lebt und auch was man tut. Wenn ich mich an europäische Politiker erinnere, wie die damals das Wort Freiheit definierten, dann denke ich lieber an etwas Schönes und schaue der Schildkröte nach, wie sie davon stiefelt.

 

Die 2,2 km, die wir in einem leichten Zickzack von Norden nach Süden durchschreiten, lassen meine Besucher an vielen Orten verweilen, sie sind fasziniert von der Vielfalt der Pflanzenwelt.

 

Als wir am Südzaun ankommen, sind über drei Stunden vergangen und es macht sich eine gewisse Müdigkeit breit. Erstaunlicherweise hält sich Darius sehr gut, es mangelt dadurch etwas an Lachern, wird aber positiv ergänzt durch den offensichtlichen Wohlgefallen meiner Gäste. Bruno entpuppt sich als „Biologe“, er nimmt da und dort kleinere Pflanzenteile, steckt sie in Plastiktütchen und beschriftet kleinere Etiketten, die er auf die Tütchen klebt. Als ich schon Bedenken anmelden will, dass er von mir den einen oder andern Namen hören möchte überrascht er mich damit, dass er von so mancher Pflanze sogar den Lateinischen Namen kennt.

 

So allmählich kommt der Wunsch nach Rückkehr zum Haus auf. Karl Heinz fragt: „Kannst du es so einrichten Pierre, dass wir einen Bogen um den Schildkröten-Panzer machen können?“

 

   „Ja, kann ich, wir gehen zunächst wieder nach Norden, jedoch leicht östlich, bis wir an den Ostzaun gelangen, den gehen wir bis ans Ende entlang und pilgern dann schnurgerade nach Westen und kommen zum Haus. Bis wir da sind, hat Ramiro bestimmt das Feuer des 24. Dezembers bereits entfacht. Außerdem hat es auf der Ostseite anderes Baumwerk, hohe große Baumkronen. Wir werden jede Menge Affen sehen und vor allem hören."

 

Das Gekreische nimmt sofort zu, als sie uns erspähen. Aufgeregt und auf den Baumkronen herumschwingend zeigen sie ihre Neugierde, jedoch auch ihre Vorsicht, denn auch sie machen mit dem Säugetier Mensch häufig genug keine guten Erfahrungen. Auch wenn hier nur selten und wenige Menschen ankommen, so schießen doch zum Beispiel die Mennoniten auf sie. Als ich mir einmal einen etwa 12-Jährigen vorknöpfte, der auf Affen schoss, hatte ich es danach mit seinem Vater zu tun, doch er konnte mich nicht einschüchtern wie er es geplant hatte, denn ich sagte ihm: „Ihr Frömmler geht doch jeden Sonntag in die Kirche, was predigt euer Pfaffe denn da? Ihr sollt Leben auslöschen? Wenn es so ist, dann sollte auch auf euch geschossen werden, ihr erbärmlichen Feiglinge!“

 

Das war der Tag, an dem danach die ganze Mennoniten-Kolonie Morgenland (50.000 Hektar groß, 112 Familien) auf mich auf-merksam wurde und von da an vertrugen wir uns bestens. Ich muss jede Menge Befürworter gehabt haben, denn es wurde sogar in ihren Kolonie-Schulen die Direktive an die Jungen herausgegeben, dass das Töten von Affen unchristlich wäre. Was sie jedoch weiter töten dürften, wären Schlangen, insbesondere die Cascabel (Klapperschlange) und Raubtiere, weil diese ihre Domestiken angreifen. Bueno, immerhin, keine Affen mehr!

 

Jetzt sind wir wirklich müde geworden vom mehrstündigen Urwald Spaziergang. Es geht nun nur noch zwei km neben dem eigenen Acker auf dem Feldweg westwärts zum Haus. Wir riechen bereits das Feuer, das Ramiro rechtzeitig entfachte. Das Affengekreische hinter uns legt sich langsam, denn wir zeigen ihnen unsere Rücken.

 

Der erste Schweinepferch kommt in Sicht. „Mann Pierre, bin ich froh, dass ich mitgekommen bin,“ meint Darius fast andächtig und auch die andern drei pflichten ihm bei. Mich freut das, denn es ist wirklich nicht jedermanns Sache, so im Urwald herumzu-laufen.

 

Wir erreichen den zweiten Schweinepferch und sichten nun auch Ramiro, der die Enten in ihren Pferch lockt, Futter herbeischafft und den Pferch dicht macht, als der letzte Duck drin ist.

 

 

 

Die mutigen unter uns nehmen noch eine Dusche, bevor es dunkel wird. Das heißt alle, außer Darius. Er sagt aber:

 

  „Wenn du Wache stehst Pierre und den Nasenbären vertreibst, wenn er kommt, dann dusche ich auch noch schnell.“

   „Also vertreiben werde ich ihn nicht, aber ich kann mit ihm spielen und ihn ablenken, falls er kommt, denn er lebt hier, er hat mehr Anrecht darauf, hier zu sein, als wir alle zusammen. Sollte er aber kommen und an dir mehr Interesse zeigen als an mir, dann besucht er dich wohl in der Dusche. Solange du aber keine Angriffsbewegungen machst, wird er dir nichts antun. Also, die Entscheidung liegt bei dir.“

 

Und Darius spielt tatsächlich den Macho, duscht, ziemlich schnell, der Nasenbär taucht nicht auf. Damit kann er nun die andern Besucher beeindrucken.

 

Und dann fließt vorerst einmal Bier, schönes, kühles Bier. Der Grill ist heiß und es riecht nach Fleisch. Karl Heinz reißt sich ein Bein aus und bereitet drei Salate vor. Einen mit Tomaten und Zwiebeln, noch einen mit gekochtem Randen (Rote Beete) und Zwiebeln und noch einen Eisberg-Salat mit Fertigsauce. Ramiro hatte von mir am Morgen bereits den Auftrag erhalten, Brot im Lehmofen zu backen, wobei es dabei nicht mit ganz rechten Dingen zuging, denn ich hatte die Brötchen halb gebacken in Pailón gekauft, sie sollten im Lehmofen einfach noch etwas knuspriger, brauner und Ofenwarm werden.

 

Als das ausgiebige, köstliche Abendessen vorbei ist, unterhalten wir uns über den Sinn und Unsinn des Weihnachtsfestes. Das Thema ist jedoch nicht sehr ergiebig und wir wechseln bald auf die Frage: Wie attraktiv könnte es denn sein, so eine Urwald-Hobby-Farm zu betreiben, die von jemand anderem zuverlässig unterhalten würde und wir (Bruno, Jörg und Karlheinz), könnten dann einmal oder zweimal pro Jahr auf Urlaub herkommen, um etwas Robinson, Cowboy oder etwas Ähnliches zu spielen? Unter den Gitarrenklängen von Bruno werden diese Träume weiter geträumt.

 

 

Die Realität sieht jedoch so aus. Am Ende, wenn dann keine Weihnachtsgeschenke mehr hergestellt werden können, wird auch niemand mehr da sein, der die Verantwortung für die kriminellsten Taten des Menschen auf dem Planeten Erde übernimmt. Eine Tatsache die schon seit geraumer Zeit vorherrscht. Verantwortung? Wer denn? Das sind doch immer die andern! Nicht wahr? Wir doch nicht!

 

 

 

Lesen Sie den V. und letzten Teil von „Weihnachten im Urwald“ im April Newsletter von Pierre Montagnard

 

 

 


 

 

 Der offizielle Schreibwettbewerb für das I. Semester 2021 für alle Altersklassen: Schauen Sie bitte in die Rubrik AKTUELLES bei Wettbewerb 2021

 

 

Mit Geldpreisen von  200.-   150.-   50.-  Euro

 

 

Der Frühling steht an. Noch ist es Zeit für einen wahren Knüller bis zum Einsendeschluss, Ende Mai 2021.

 

Wir wünschen euch allen orbitale Inspirationen und freuen uns, über eine rege Teilnahme.

 

Wir verabschieden uns mit einem

 

herzlichen Tschüss.

 

 

Team pierremontagnard.com