Jetzt, mit den ganzen Belastungen, welche das mutierte Coronavirus weltweit verursachte und noch verursachen wird, neigt der Mensch dazu, viele dümmliche Witze in Umlauf zu bringen. Während die einen wirklich komisch sind und auch zu herzhaftem Lachen animieren, gibt es vermehrt die saudummen, primitiven, aus der Kiste der Geistesarmut. Wir halten uns hier konsequent an die Komik, die das Leben auch ohne Extreme auf Lager hat, immer hatte und bis zum Ende haben wird. Auch wenn vieles nicht mehr als ein Schmunzeln entlockt, so bleibt dem Neurotiker das gekünstelte Dumm-lachen erspart.

 

 

Wiedersehen in Coronazeiten

(von Michael Kothe)

 

»Hallo, Heiner!« Er winkt.

Hä?

»Mensch, Heiner, wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht gesehen. Wie geht´s dir?«

Jetzt steht er vor mir, hat im Laufschritt die leere vierspurige Straße überquert.

»Na ja, es muss.«

»Und ´nen Hund hast du auch?«

»Deswegen steh´ ich ja hier draußen. Sonst wär´ ich mit meiner Frau im Supermarkt.«

   »Mensch, da ham wir ja Glück gehabt. Gut gemacht, Waldi!« Er bückt sich, krault Mia.

   »Du, weißt du noch ...?«, fragt er mich, nachdem er sich wieder aufgerichtet hat.

 

Mia schüttelt sich.

Nach einer gefühlten halben Stunde dreht er sich im Gehen noch einmal um. »Man sieht sich, war toll, dich mal wieder getroffen zu haben!«

Meine Frau kommt aus dem Laden, schaut ihm nach. »Wer war das?«

   »Keine Ahnung«, antworte ich und rücke meinen Mund-Nasen-Schutz zurecht, »er hat mich über die Straße hinweg angerufen. Hallo, Heiner! Hat er gebrüllt.«

»Aber du heißt doch gar nicht Heiner.«

   »Doch, mit Maske eben schon!“